Die Gederner Medaille auf die Enthüllung des Fransecky-Denkmals 1908

von Gerold Heckert

Versilberte Bronzemedaille 1908, mit angeprägter Öse, ohne Signatur oder Herstellerangabe, Durchmesser (ohne Öse) 28,7 mm, Gewicht 8,12 g (Privat­sammlung)

Vorderseite: Das Brustbild des Generals v. Fransecky in Uniform, den Kopf leicht nach rechts gewendet, Umschrift: EDUARD VON FRANSECKY, links des Kopfes: GEB./ GEDERN/ 16. NOV. 1807 – rechts: GEST./ WIESBADEN/ 21. MAI 1890. Als Vorlage diente ein Bild des Generals, das auch in der Biografie, die von Walter von Bremen 1901 herausgegeben wurde, abgebildet ist.

Rückseite: Im Zentrum das Gederner Denkmal. Oberhalb die bogige Umschrift: Z. ERINNERUNG A. D. DENKMALSENTHÜLLUNG, unterhalb in zwei Zeilen gerade: SR. EXCELLENZ D. GENERALS/ D. I. VON FRANSECKY, darunter in einer dritten Zeile bogig: GEDERN 1. JUNI 1908

Dem Verfasser sind Exemplare aus einer Kupfernickellegierung bekannt. Diese haben einen angelöteten Henkel und wurden als Anhänger an einer Uhrenkette getragen. Es sollen auch Stücke in Gold und Silber hergestellt worden sein. Wer aber war v. Fransecky, der in Gedern ein Denkmal errichtet bekam?

Wir müssen nun etwa 200 Jahre in der Zeit zurückgehen, um die Begebenheiten verstehen zu können.

Nach der verlorenen Schlacht von Jena und Auerstedt war Preußen vom Napoleonischen Frankreich besiegt. Mit dem Frieden von Tilsit 1807 wurde die Preußische Armee stark reduziert und so wurde auch Christian Gottlieb Ernst v. Fransecky als Kapitän aus dem Kriegsdienst entlassen. Er zog mit seiner Familie nach Friedberg zum Schwiegervater, dem Kanzleidirektor von Preuschen. Die Familie war in einer schwierigen finanziellen Situation. Man lebte von Erspartem und Zuschüssen des Schwiegervaters.Vermutlich durch die Vermittlung des Schwagers Friedrich von Preuschen, der als Regierungsdirektor in Stolbergisch-Gedernen Diensten stand, fand man in Gedern einen Ort, wo die Lebenshaltungskosten billiger waren.

Hier wurde am 16.11.1807 Eduard Friedrich von Fransecky geboren, aber schon 1808 zog die Fa­milie nach Havel­burg.

Eduard kam mit seinem Bru­der ins Kadettenkorps, ein älterer Bruder direkt zur Truppe. Sie mussten nun nicht mehr von der Familie versorgt werden.

Eduard v. Fransecky begann eine militärische Laufbahn, hatte in Düsseldorf mit Malern Kontakt, übte sich im Zeichnen und war als Militärschriftsteller tätig.

1848 nahm er im Stabe Wrangels am Krieg in Schleswig teil. 1866, als Generalleutnant und Kommandeur der 7. Division, wurde er einer der höchst-dekoriertesten Generäle des preußisch-österreichischen Krieges. Die 7. Division hatte gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner starke Verluste – 89 Offiziere und 2.162 Mann – doch sie hielt die Stellung bis zum Eintreffen des Kronprinzen mit der Verstärkung. Sein Ausharren in der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 war strategisch wichtig und wurde letztendlich für Preußen kriegsentscheidend. Man meldete dem König: „Die 7. Division leide schwer, aber sie halte fest.“

1870/ 71 konnte er, ähnlich wie im Krieg 1866, am 18. Au­gust in der Schlacht bei Gravelotte, den siegreichen Ausgang der Schlacht maßgeblich beeinflussen.

Fransecky erhielt deshalb aus Gedern ein Glück­wunsch­telegramm für das er sich wiederum beim Magistrat von Gedern herzlich bedankte. Gleichzeitig berichtete er seiner Frau von diesem Telegramm „seiner Geburtsgemeinde“ Gedern: „Was sagst Du dazu? Ich dachte, dass dort niemand was von mir wüsste!“

1882 nahm Fransecky seinen Abschied als Gouverneur von Berlin. Er zog sich auf seinen Sommersitz in Erbach/ Rhein zurück, den er mit einer Dotation von 150.000 Talern (er war einer der wenigen Generäle, die eine solche nach dem Krieg bekamen) 1877 erwarb. Im Winter lebte er in der Villa Nassau in Wiesbaden, wo er auch am 21. Mai 1890 verstarb.

Außer der ehemaligen Friedhofsstraße, die 1972 im Zuge der Gebietsreform in Franseckystraße umbenannt wurde und dem Ge­burtshaus (es ist vermutlich nicht das richtige Haus), gab es noch einen weiteren Hinweis auf Fransecky in Gedern. Den älteren Einwohnern von Gedern ist noch das Fransecky-Denkmal bekannt.

Die Grundsteinlegung für dieses Denkmal fand zum 100. Geburtstag des Generals am Samstag, den 16. November 1907 um 16 Uhr nachmittags, statt. Abends wurde im Gasthaus zum Löwen ein „Volksfest“ abgehalten.

Am 1. Juni 1908 wurde das Denkmal enthüllt. Gedern war mit Fahnen geschmückt. Um 13 Uhr startete am Bahnhof ein Festzug bestehend aus hiesigen Vereinen, Kriegervereinen, Festjungfrauen, Vertreter von Franseckys Einheiten, Militärverein v. Fransecky und Ehrengästen. Vor dem Denkmal gab es Festreden, so auch vom Fürsten Christian-Ernst zu Stolberg-Wernigerode. Auch Franseckys Tochter Anna war anwesend. Nach dem offiziellen Teil wurde ein Volksfest auf dem Festplatz „auf dem Wildfrauhaus“ abgehalten.

Das Denkmal wurde von Dipl.-Ing. Adolf Schmidt aus Alsfeld und den Maurermeistern Schrempf und Haas ausgeführt.

Anlässlich dieses Tages wurde auch die beschriebene Medaille geprägt. Leider musste dieses Denkmal 1962 dem Neubau der Gederner Volksbank weichen und wurde nicht wiederaufgebaut.

In Magdeburg gab es ebenso ein Fransecky-Denkmal, das aber dem 2. Weltkrieg zum Opfer fiel. Dort gibt es aber noch heute ein Kriegerdenkmal auf dem der General v. Fransecky abgebildet ist. Ebenfalls findet man Fransecky auf dem Hauptrelief des Niederwalddenkmals bei Rüdesheim am Rhein. Verschiedene größere Städte, so auch Berlin und Magdeburg, hatten Straßen nach ihm benannt. Heute gibt es außer in Gedern noch in Duisburg und Erbach/ Rh. Franseckystraßen.