Geschichte der Stadt Gedern
1200 Jahre Gedern – 625 Jahre Stadtrechte
von Paul Heusohn, GedernGedern, an den Südwestabhängen des Vogelsberges gelegen, umgeben von einem Kranz mittelhoher Bergzüge, ist ein Landstädtchen, welches nicht nur wegen seiner einladenden Lage und seiner reizvollen Umgebung einen guten Ruf genießt. 780 zum ersten Mal als Gewirada urkundlich erwähnt, können von diesem Ort zwar nicht große historische und kulturelle Ereignisse aufgezählt, doch kann mit Stolz auf die Vergangenheit zurück geblickt werden. An „geopolitisch“ wichtiger Stelle gelegen, da wo sich vor 2000 Jahren noch Römer und Germanen gegenüber standen, diese im Schutz der dunklen Wälder des Vogelsberges ihre einmal eingenommenen Wohnsitze mit der ihnen eigenen Standhaftigkeit verteidigten, jene, die sich trotz ihrer überlegenen militärischen Präsenz nicht in die bewaldeten Bergtäler unserer Heimat wagten. Auch kann der Gederner Boden nicht so geschichtsträchtig genannt werden wie beispielsweise der unserer ehemaligen Kreisstadt Büdingen oder der jetzigen Kreisstadt Friedberg. Und doch war unser Gedern schon recht früh, eben schon 780, den Stammesfürsten und Königen, den Landesherren und Kirchenfürsten, den Äbten und Missionaren interessant genug, um hier Schenkungen und Rodungen vornehmen zu lassen, um dann Besitz nehmen zu können.
In unserem Heimatstädtchen haben sich freudvolle und leidvolle Ereignisse vollzogen. Berge und Täler, Wälder und Felder, Wind und Wetter, Land an der Grenze politischer und kirchlicher Einflußnahme prägten den hier seßhaft gewordenen Menschen.
Spuren menschlichen Daseins in der näheren und weiteren Umgebung von Gedern gehen zurück bis in die Zeit der Bandkeramiker, die man nach der Art der Verzierung ihres irdenen Gebrauchsgeschirrs und der Totenurnen so bezeichnet hat. Diese eben bezeichnete Kultur ist in das 4. bis 2. Jahrtausend vor Christi Geburt zu verlegen. Man stelle sich vor: Aus dieser doch so lange zurückliegenden Zeit liegen uns Scherbenfunde, nicht gerade aus Gedern selbst, aber aus der näheren Umgebung vor. Auch Waffen- und Werkzeugfunde aus dieser Epoche deuten auf das Vorhandensein menschlichen Daseins in unserem Raum hin. Bauern, Jäger und Fischer der Jungsteinzeit, 5000 - 1800 vor Chr. waren es, die hier ihrem Lebenserwerb nachgingen. Eine andere Kultur hatten die Schnurkeramiker. Auch von ihnen beweisen Funde ihre Siedlungstätigkeit im Vogelsberg.
Etwa um 1200 bis 800 vor Christi Geburt tauchen neue „Werkstoffe“ auf: Zunächst verstand man es, Kupfer zu Geräten und Waffen zu verarbeiten. Durch das Mischen von Kupfer mit Zinn beim Schmelzvorgang enstand ein neues Metall, die Bronze. Eine ganze Epoche, nämlich die Bronzezeit, wird nach den aus dieser Legierung hergestellten Gerätschaften und Waffen bezeichnet. In der Bronzezeit stattgefundene Besiedelungs- und Kulturphasen lassen sich an den Hügelgräbern -1800-1200 vor Chr. -oder den Urnenfelderkulturen 1200 - 800 vor Chr. - ablesen. In die auf die Bronzezeit folgende Eisenzeit, die etwa in der Zeit um 800 vor Christi Geburt begann bis heute anhält, wenn wir noch nicht von der Kunststoff- oder der Atomzeit sprechen wollen. (800 - 400 vor Chr. ältere Eisenzeit, ab 400 vor Chr. jüngere Eisenzeit). Aus gefundenen Grabbeilagen kann auf das Kulturleben der Besiedler unserer Täler geschlossen werden. Daß aus der älteren Jungsteinzeit mehr und „bessere“ Funde vorliegen als aus der älteren Eisenzeit hat seinen Grund darin, daß irdene Scherben im Lehm-Lößboden unserer Heimat länger erhalten bleiben, als das korrosionsanfällige Eisen.
Um etwa 500 vor Christi Geburt wurden in Oberhessen Kelten seßhaft. Ihr Ursprung konnte bis heute noch nicht genau festgestellt werden. Sie drangen über den Alpenraum nach Italien, ja bis nach Kleinasien vor und bestimmten etwa 500 Jahre lang die Geschichte Mitteleuropas. Erst Caesars Legionen warfen die Kelten zurück, ihre Kultur aber lebte lange Zeit in den „neuen“ Völkern fort. Von antiken Autoren werden die Kelten so beschrieben: „Sie hatten unbändige Freude am Essen und Trinken am massenhaften Anhäufen von Gold. Ihre Kampfweise hatte tollwüdiges. Sie konnten scharf kombinieren. Sie legten Wert auf Glorie und Esprit.“
Die Nachfolger der Kelten in unserem Gebiet waren die Chatten. Es war jener germanische Volksstamm, der aus dem Ederland kam und hier feste Siedlungen anlegte. Diese Chatten waren es auch, die zusammen mit den Cheruskern im Jahre 9 nach Christi die Römer im Teutoburger Wald entscheidend schlugen und damit eine Romanisierung Germaniens verhindern halfen. Der Römer Tacitus, der von 55 - 115 nach Christi Geburt lebte, beschreibt die Chatten lobend: „Sie sind mit ihrem Gebirgswald ganz verwachsen. Sie sind von kräftiger Statur, haben straffe Glieder, einen durchdringenden Blick, Energie und Tapferkeit.“ Auch von den Frauen der Chatten wird Rühmliches berichtet: Als einige bei dem vom römischen Kaiser Mark Aurel Antonius = Caricula (188 - 217 n. Chr.) befohlenen Straffeldzug in das Stammland der Chatten in Gefangenschaft gerieten, suchten sie lieber den Freitod als römische Sklavinnen zu werden.“ Einige Chatten also, so muss man annehmen, legten hier bei uns feste Wohnsitze an. Hier gab ihnen das Wild der Wälder reichlich Nahrung, hier im Talkessel fanden sie Schutz vor rauher Witterung, hier in den Bergwäldern und in den Talauen fanden sie Brauneisenstein, einem Aussortierungsprodukt des Basaltes, den Rohstoff zur Herstellung von Waffen und sonstigen Gerätschaften.
Zur Zeit der Völkerwanderung, die grob gesehen vom 4. bis zum 6. Jahrhundert dauerte, blieben die Chatten ihren Siedlungsräumen treu. Ihre Beharrlichkeit und Treue, dieses Festhalten am einmal Gewonnenen, sind über viele Jahrhunderte herausragende Tugenden unserer Vorfahren geblieben und halfen den Charakter der Vogelsberger bilden.
Die eigentliche Siedlungsgeschichte unserer Heimat aber begann, nachdem die Franken die Alemannen in der Schlacht bei Zülpich (496 - 497) besiegt und die Chatten in ihr Reich einverleibt hatten. Der aus dem Geschlecht der Merowinger stammende König Chlodwig, der eigentliche Begründer des Frankenreiches, nahm nach dem Sieg über die Alemannen, sehr dem Wunsch seiner aus Burgund stammenden Frau Chrodegilde entgegenkommend, den christlichen Glauben an. In Reims kniete er nieder und ließ sich von Bischof Remigius, dem weströmischen Glauben entsprechend (Althanasianer), taufen. Damit tat er einen wichtigen Schritt für den Auf- und Ausbau einer dauerhaften Herrschaftsordnung. Das eroberte Land behielt der König als Eigentum. Er gab es seinen Kriegern zum Lehen. Aus der alten Heimat der Franken am Niederrhein wurden Bauern in die eroberten Gebiete gerufen, um zu roden und Ackerland zu gewinnen. Die 2. Siedlungsperiode von 500 bis 800 hatte begonnen. Auch in unsere Heimat kamen so die ersten Siedler; 55 Siedlungen entstanden in dieser Zeit. Es dauerte allerdings noch Jahre, bis „geordnete“ Verhältnisse da waren, bis die ersten Hütten standen, die ersten Äcker Frucht trugen und die ersten Familien Fuß gefaßt hatten. Mit der Landnahme drang gleichzeitig die Lehre von Jesus Christus von Irland aus kommend zu den germanischen Stämmen. Irische Mönche in ihren dunklen Kutten aus Wollstoff, die Füße in leichten Sandalen steckend, auf dem Rücken den ledernen Ouersack, am Hals den Lederbeutel mit Reliquien und ein kleines Holzkreuz tragend, missionierten auch in unserer Gegend. So darf es nicht wundern, daß die ersten urkundlichen Erwähnungen von Gedern fast gleichzeitig Landschenkungen und Kirchengründung zum Inhalt haben (780 und 797).
Die Christianisierung der Germanen ging nicht einheitlich vor sich, denn viele Glaubensboten zogen durch das Land. Sie waren ganz auf sich allein gestellt und oft legten die Wanderprediger die Lehre Christi nach ihrem Gutdünken aus. Dies änderte sich erst als Bonifatius, der besonders bei den Hessen missionierte, 732 zum Erzbischof und päpstlichen Stellvertreter in Deutschland vom Papst ernannt wurde. Er „reinigte den Tempel des Herrn, wie es Christus vor ihm getan hatte“. 744 wurde der Grundstein für den Bau des Klosters Fulda gelegt, 763 für das Kloster Lorsch. Auch in den anderen Gegenden wuchsen im dichten Wald oder an sumpfigen Ufern Klöster. Mit Axt und Feuer, Hacke und Pflug wurde Land kultiviert.
So entstanden in unserer Heimat viele fränkische Siedlungen, und die Macht der fränkisch-merowingisch-karolingischen Adelsgeschlechter stand am Anfang auch unserer Stadt. 780 noch zum Gau Buchonia gehörend, rechnete man Gedern 797 schon zum Gau Wettereiba. Daran ist zu erkennen, das politische und kirchliche Ereignisse zu dieser Zeit auch bis zu uns ihren Einfluß hatten.
Um diese Zeit versuchte nämlich der Frankenkönig Karl die germanischen Stämme zu einen. Er wollte ein Reich bauen, in dem alle Germanen unter seiner Herrschaft leben sollten. 32 Jahre dauerte der Kampf gegen die Sachsen. Lange dauerte es, bis die Bayern einverleibt waren und die Langobarden in Italien besiegt waren. An den Grenzen des Frankenreiches war fast nie Ruhe, aber im lnnern des Landes ging der Aufbau weiter. Kunst und Wissenschaft wurden gefördert, das Christentum unterstützt und Handel und Wirtschaft in Gang gebracht. Das Frankenreich wurde in überschaubare Gaue eingeteilt und Reichsgüter zu Lehen gegeben. Lehensbesitzer über unser Land wurden nach kaiserlichem Privileg die Herren von Büdingen, die besonders über die riesigen Waldungen (Bannforst zwischen Kinzig und Vogelsberg) die Aufsicht auszuüben hatten. Um 1247 starb mit Gerlach von Büdingen der letzte seines Stammes. Die Kaisermacht war inzwischen gesunken, dafür die fürstliche Hausmacht gestiegen. Der einst zusammengehörende Büdinger Lehensbesitz war zersplittert und der ursprüngliche Zustand kaum mehr zu erkennen. Sehr nachteilig wirkt sich bei der Betrachtung dieser Zeitepoche der Umstand aus, daß schriftliche Überlieferungen fast fehlen und erst ab 1247 wieder auftauchen. Die Geschlechter Ysenburg, Breuberg, Trimberg und Hohenlohe (Brauneck) traten als Ganerbenschaft in den Besitz des ehemaligen Büdinger Gebietes ein. Bald begannen Erbstreitigkeiten und in langwierigen Prozessen und kämpferischen Auseinandersetzungen wurden um ein Viertel oder um ein Achtel des ehemaligen Ganzen gestritten.
Das Gederner Gebiet = Gericht Gedern – ging als Büdinger Erbe um 1250 zur Hälfte an die Breuberger und zur Hälfte an die Trimberger. Beide waren Schwiegersöhne Gerlach des II. von Büdingen. Ludwig I. von Ysenburg konnte ältere Rechte nachweisen und die Streitereien unter den Ganerben führten zur Spaltung in 2 Lager. Man suchte sein Recht bei Höhergestellten zu sichern. Verbindungen zu Kaiser und Reich wurden hergestellt, gepflegt und ausgenutzt. Dabei wußte man die außenpolitischen Schwierigkeiten, in die die deutschen Könige und Kaiser immer wieder gerieten, wohlweislich für sich auszunützen. Auch der Einfluß der Kirche und besonders die Mahnungen des Papstes an die deutschen Fürsten zur Kirchentreue spielten dabei eine bedeutende Rolle. So hatte z.B. 1260 Ludwig von Ysenburg das Patronatsrecht über die Gederner Kirche, 1313 gelangt dieses aber schon wieder an die derer von Kempenich. Besitznachfolger des Klosters Lorsch wurde das Erzbistum Mainz, aber 1316 gibt Eberhard von Breuberg die Hälfte des Ortes Gedern nebst dessen Gerichtsbarkeit dem Erzbischof von Trier zum Lehen. 1327 fällt das Landgericht Gedern ganz an die Trimberger. Dieses Geschlecht war bei Kaiser und Reich gut angeschrieben. Gar manchen Dienst hatten diese Herren besonders dem damaligen Kaiser Karl IV. (1347-1378)angedeihen lassen. Aus Dankbarkeit gegenüber diesem treuen Diener verliehen Kaiser und Reich dem Conrad von Trimberg 1356 für den Ort Gedern Stadtrechte und das Recht, einen Wochenmarkt abzuhalten.
Das Gederner Gebiet – Gericht Gedern – ging als Büdinger Erbe um 1250 Herschergeschlecht von großer Bedeutung und von unschätzbarem Wert, weil sich die Bewohner dieser Einheit durch das Vorhandensein von Gewerbe, Handel, größeren Verwaltungseinrichtungen von anderen Orten ohne den o.a. Status deutlich abhoben, sowohl rechtlich als auch politisch. Wer im Mittelalter in einer Stadt wohnte, konnte sich zu den „Freien“ rechnen. „Stadtluft macht frei“. Auf dem Lande galten andere, noch abgestufte Rechtsnormen. In der Stadt dagegen herrschte vielfach einheitliches Recht vor, welches für alle Bewohner gleich galt, einerlei, ob der Betroffene gut oder weniger gut situiert war. Gar manches Stadtrecht aus dem Mittelalter fand später Eingang in den Verfassungen heutiger Staatsgebilde. Bis zur politischen Gleichstellung bedurfte es allerdings noch vieler Jahrzehnte, ja Jahrhunderte. Dies ist auch belegt durch die langjährig geführten Prozesse zwischen den Einwohnern der Stadt und den ursprünglichen Landesherren. So blieb die Gerichtsbarkeit in deren Händen und das Einsetzen der Richter war lange Zeit Sache der Grafen.
Mit der Stadtrechtsverleihung war das Recht verbunden, Mauern zu errichten. Davon finden wir allerdings in Gedern keine Spuren. War es gute Politik der damaligen Herren von Gedern gegenüber den Nachbarn, daß Befestigungen jeglicher Art nicht nötig waren? Oder genügten die auf dem Schloßberg bestimmt vorhandenen Burganlagen den damaligen Verhältnissen? Zur Größe einer mittelalterlichen Stadt muß folgendes gesagt werden: Fast alle Städte um 1400 hatten eine Einwohnerzahl, die unter 1000 lag! Gedern wird so um die 200 Einwohner gehabt haben. Das verliehene Recht, Märkte abzuhalten, war für die Beteiligten schon immer interessant. Wo Handel stattfindet, wo Waren verkauft oder gekauft werden, da bleibt für die Marktherren auch etwas hängen in Form von Abgaben, Marktsteuern und dergleichen. Auf den Jahrmärkten verkauften meistens die Händler, auf den Wochenmärkten fast nur die Produzenten.
1376 stirbt das Geschlecht der Trimberger aus, als neue Besitzer von Gedern werden die Herren von Eppenstein-Königstein genannt, welche Gedern alsbald an verschiedene andere Herren verpfändeten. Wurden Gulden gebraucht, so wurde ein Dorf, eine Stadt, das Gericht verpfändet. Später wurden die Pfandrechte wieder eingelöst und ursprüngliches Recht zurück gekauft. Die Gederner mußten im 14. und 15. Jahrhundert verschiedene Herrengeschlechter ertragen, die diesen Ort schätzten, manchmal aber auch vernachlässigten, wenn anderswo bessere Pfründe lockten.
Die Auseinandersetzungen bei den Kaiserwahlen, die kirchlichen Spannungen, die Stiftsfehde in Mainz, Städtebünde, Bildung der Hanse, die Fürsten - und Ritterbünde hatten auch ihre Auswirkungen bis ins Gederner Land.
1431 erhoben sich die Bauern gegen obrigkeitliche Willkür und zerstörten die gräflichen Eisenhütten in Gedern und Hirzenhain. Mit dem Jahr 1499, als sich der Stolberger Botho III. mit der Schwester des letzten Eppensteiners verlobte, kommt Gedern an die Linie Stolberg. Die Stolberger Grafen, seit dem 18. Februar 1742 gefürstet, wurden somit die alleinigen Landesherren von Gedern und das Schicksal dieser Familie war dann auch über 300 Jahre lang das Schicksal unserer Stadt. Schloßbauten wurden auf den alten Burganlagen ab 1605 errichtet. Unter Graf Ludwig Christian (1675-1710) war man bestrebt, Gedern zu einer Residenz aufzubauen. Es wurde eine kleine Residenz und heute sieht man nur noch in wenigen Ansätzen, wenn man einmal von den Schloßbauten absieht, das Vorhandensein ehemaliger Macht und Pracht. Viele Angehörige des Grafen- und Fürstenhauses werden den Gedernern unvergessen bleiben, versuchten sie doch die Ordnung im Lande zu regeln und zu bessern, den Grundbesitz zu arrondieren, für die Bevölkerung Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen und den Untertanen gute Landesherren zu sein. Da muß Graf Ludwig Christian genannt werden, dem u. a. die Anlage des Gederner Sees und des Spießweihers zu verdanken ist. Nicht vergessen werden darf Gräfin Christine, die den ehrenhaften Beinahmen Landesmutter erhielt und wegen ihres streng religiös eingestellten Lebens in die auswuchernden Sitten ihrer Untertanen einzugreifen versuchte. Als sie 1749 im Alter von 86 Jahrer starb, wurde dies von der Bevölkerung sehr betrauert. Auch die Fürstin Eleonore, die sich um das Schulwesen im Fürstentum Gedern sehr verdient gemacht hat, darf nicht unerwähnt bleiben. Einige der stolbergischen Landesherren dürfen sogar im Buch der deutschen Geschichte nicht fehlen. Fast alle haben sich bemüht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten und den jeweiligen Zeiten entsprechend, das Beste für ihre Stadt und ihr kleines Land zu tun.
Und wieder waren es Strömungen, die, diesmal von England ausgehend und über Frankreich kommend, auf die anderen europäischen Länder übergriffen. Die Aufklärung, die einer bürgerlichen Kulturrevolution gleichzusetzen ist, führte im 17. und 18. Jahrhundert zu einer politischen Umwälzung der feudalen Strukturen. Absolutistische Institutionen und religiöse I Das Logo der Jubiläumsfeierlichkeiten 2006
Der Druck der Feudalherren auf die Eigenrechte der Gemeinden hatte aufgehört, und die gemeindlichen Organe kamen aus der Abhängigkeit der unumschränkten Fürstengewalt. Das politisch erwachende Bürgertum sah in der Verwirklichung der Idee der Selbstverwaltung die Vorstufe einer demokratischen Reform der Staatsverfassung. Nun konnte Gedern seine eigenen Angelegenheiten durch seine Bürger unter eigener Verantwortung selbst behandeln. An dieser Stelle soll auch der vielen Bürgermeister und der gewählten Vertreter, der ehrenamtlich tätigen Vereinsvorstände, der Lehrer und Pfarrer und der vielen Bürger gedacht werden, die im zähen Streiten in den vergangenen Jahrzehnten für unser Gedern in aufopfernder Tätigkeit große Leistungen vollbracht haben. Beharrlichkeit in Verhandlungen führte u. a. für die Bürger der Stadt zur Befreiung von alten Lasten (Frondienste) oder zum Erhalt zugestandener Rechte (Losholz). Weitblick ließ ein Gemeinwesen erstehen, welches mit Stolz in den Kranz oberhessischer Städte eingereiht werden darf.
Es wurde versucht, die Geschichte Gederns in groben Zügen aufzuzeichnen. Auf das Werden eines Gemeinwesens, von einer fränkischen Siedlerstelle, über das Dorf unterhalb des Herrensitzes, über die Residenz eines Kleinstaates bis hin zu einer gewachsenen und nach den Ordnungen der Selbstverwaltung ausgerichteten Stadt sollten wir alle im Jubeljahr stolz sein. Für das Wirken früherer Geschlechter für unsere Stadt wollen wir dankbar sein und in uns den vorwärtsdrängenden Willen stärken, für unser Gedern in der Gegenwart das Beste zu tun, um den nachkommenden Generationen den Weg in die Zukunft zu ebnen. Ein Blick in die Geschichte unserer Stadt zeigt uns ein farbiges Bild. Menschen waren hier tätig, haben Veränderungen vollzogen und erlebt. Im Wechsel der Zeiten aber ist unverändert geblieben: Nach wie vor führen die Bäche ihre Wasser durch unser Tal, ziehen de Bussarde still ihre Kreise im Aufwind, rauschen die Wälder ihre heimlichen Lieder. Seien wir dankbar für so ein Stück Land!
Text und Fotos Harald Warnat




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