Geschichte des Stadtteils Mittel-Seemen
Kurze geschichtliche Darstellung des Ortes Mittel - Seemen
Gesucht, gefunden und aufgeschrieben von:Waltraud Heidenreich und Horst Bartikowski
Das Dorf Mittel-Seemen wurde erstmals urkundlich im Jahre 1358 erwähnt. Ein kurzgefasster Auszug aus dieser Urkunde:
Konrad v. Trimberg und seine Ehefrau Elisabeth sowie sein Sohn Konrad bekunden, daß sie dem Edelknecht Richolf Hohelin und dessen Ehefrau Patze für 400 Pfund Heller Frankfurter Währung das Dorf Mittel-Seemen mit Zubehör und Wiederkaufsvorbehalt verkauft haben.
Dienstag nach Urbanstag
Auf die verschiedenen standesherrschaftlichen, gerichtlichen, kirchlichen und politischen Zugehörigkeiten unseres Ortes wird in den Chroniken Gederns und einiger Orte der Großgemeinde ausführlich eingegangen und sollen aus diesem Grunde in der folgenden Darstellung des Dorfes nicht extra erwähnt werden.
Im Jahre 1724 wurde die eigenständige Pfarrei Mittel-Seemen mit der Filialkirche Nieder-Seemen unter dem Patronatsrecht der Grafen zu Stolberg-Roßla-Ortenberg gegründet. Der erste Pfarrer und zugleich Lehrer war Johann Balthasar Köhler aus Herchenhain (1724 - 1737).
Durch die beengten Räumlichkeiten im Pfarrhaus war der Schulunterricht mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Auf Anordnung des Gräfl. Consistoriums zu Ortenberg und mit Zustimmung des Herrn Grafen Heinrich Christian Friedrich zu Stolberg-Roßla-Ortenberg wurde im Jahre 1787 mit der Errichtung eines neuen Schulhauses schräg gegenüber der Kirche begonnen. Finanziert wurde der Bau mit Gemeinde- und Kirchengeldern, das benötigte Bauholz stiftete die Herrschaft, die Arbeiten übernahmen hiesige Einwohner. Die feierliche Einweihung der Schule erfolgte im November desselben Jahres.
Der am Ortsausgang Richtung Ober-Seemen neu angelegte Friedhof wurde im Mai 1829 geweiht. Der um die Kirche liegende alte Kirchhof war zu klein geworden.
Bei der Aufstellung der Bevölkerungsliste im Dezember 1858 wurden 372 Einwohner gezählt: 65 Familien; 27 Ackerleute, 3 Gewerbsleute (8 sind beides zugleich), 70 Tagelöhner, 12 Dienstboten, 76 Schulkinder: 44 Knaben und 32 Mädchen. Bei der Zählung im Dezember 1852 waren es sogar 95 Schüler.
Der Viehbestand im Jahre 1857: 4 Pferde, 2 Zugochsen, 2 Faselochsen, 214 Kühe, 56 Rinder, 40 Kälber, 76 Schweine, 285 Schafe, 28 Ziegen, 1 Esel.
Zwischen den Jahren 1858 und 1886 verließen etwa 155 Personen den Ort und wanderten nach Amerika aus.
Die Einrichtung einer Telefonverbindung zwischen Ober-Seemen und Birstein im Jahre 1903 brachte der Gemeinde den Telefon- und Fernsprechanschluß.
Mit dem Bau der Wasserleitung wurde 1908 begonnen, die Fertigstellung mit den Hausanschlüssen erfolgte 1909.
Am 11. Mai 1910 richtete ein schweres Unwetter mit orkanartigem Sturm schwere Schäden in Mittel-Seemen an. Dächer wurden abgedeckt, Holzschuppen umgerissen, Obstbäume entwurzelt und das Kreuz auf dem Kirchturm schief gedrückt.
1914 begann die Gemeinde mit dem Bau eines neuen Schulhauses, das erst im Jahre 1921 fertiggestellt werden konnte, da während der Kriegs- und Nachkriegszeit großer Mangel an Arbeitern und an dem benötigten Baumaterial herrschte.
Die Grippewelle des Jahres 1918 forderte auch in unserem Ort viele Opfer.
Im März 1921 brannte zum ersten Mal elektrisches Licht im Dorf. Mit der bereits im Jahre 1919 beantragten Feldbereinigung wurde erst 1921/22 begonnen, da es nicht nur Befürworter sondern auch Gegner dieser Maßnahme gab.
In dem extrem heißen Sommer des Jahres 1929 versiegten alle Quellen und die Bäche führten kein Wasser mehr. Das Wasser mußte überall rationiert werden.
Die Arbeitslosigkeit zu Beginn der 30er Jahre traf Mittel-Seemen, dessen Bevölkerung zu 2/6 aus Arbeitern bestand, besonders hart.
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges kamen hier 2 große Transporte mit Flüchtlingen an und mußten untergebracht werden. Ein Teil der Menschen kam aus der Umgebung von Theusing (Krs. Teplitz), der andere Teil aus Raase (Krs. Freudenthal).
Ab den Jahren 1960/62 entstand durch Beschluß des Gemeinderates das „Wochenendgebiet“ am Steigerwald.
Bei der großen Kirchenrenovierung, die im Jahr 1960 begann, wurde die Orgel, die bisher im Chorraum über dem Altar stand, auf der Westseite der Empore aufgestellt. Dabei wurde die Freskenmalerei im Altarraum entdeckt und freigelegt, die seitdem im Dehio-Kunstführer erwähnt wird. Zur Zeit findet wieder eine umfangreichere Renovierung statt. In diesem Zusammenhang entstand bereits eine Auffahrt zur Kirche.
Im Jahre 1968 begannen die Mitglieder der örtlichen Vereine in Eigenleistung, mit finanzieller und materieller Unterstützung von einigen Privatpersonen mit dem Bau einer Halle ( Heute „ Seementalhalle „ ) und gaben dem Dorf damit einen festen Platz für Veranstaltungen jeder Art. Die Seementalhalle wird bis heute von der Stadt Gedern und Vereinen für Veranstaltungen aller Art genutzt.
Mit dem Ende des Schuljahres wurde im Jahre 1970 die einklassige Volksschule aufgelöst.
Der letzte Bürgermeister der selbständigen Gemeinde Mittel-Seemen war Wilfried Schmidt. 1972 erfolgte der Zusammenschluß mit der Stadt Gedern.
Folgende Vereine und Verbände gestalten das Dorfleben verantwortungsvoll mit:
SV Edelweiß Mittel-/ Nieder-Seemen
Freiwillige Feuerwehr Mittel-Seemen
Gesangverein „Harmonie“ Mittel-Seemen
Seementaler Musikanten
Landfrauenverein Nieder-Seemen/ Mittel-Seemen
Jagdgenossenschaft Mittel-Seemen
VdK
Im Jahre 2003 wurde Mittel-Seemen in das Dorferneuerungsprogramm der Landesregierung aufgenommen. Neben Anderem ist im Zuge dieser Dorferneuerung auch die Herausgabe einer Chronik des Ortes geplant und in Arbeit.






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