Geschichte des Stadtteils Ober-Seemen

(Abstrakt geographisch und historisch)

Quelle: Dorfchronik Ober-Seemen 1950, Karl Seipp

Das Klima ist als Rau zu bezeichnen. Da Ober-Seemen an der Westseite des Vogelsberges liegt ist es meist dem Steigregen ausgesetzt. Die Jahresniederschlagsmenge beträgt um die 1000mm. Der Boden besteht aus Verwitterungsprodukten des Basalts. In den Tälern haben sich durch Anschwemmung dicke Lösschichten gebildet. In den Höhenlagen beträgt die dünne Erdschicht nur 10 - 20cm. Wie oben beschrieben gehört Ober-Seemen seit der Gebietsreform 1971 zur Gemeinde Gedern im Wetteraukreis. Im Norden grenzt Ober-Seemen an den Vogelsbergkreis, zu dem die angrenzenden Gemeinden Grebenhain und Schotten gehören. In östlicher Richtung grenzt der Landkreis Hanau mit der Gemeinde Birstein an Ober-Seemen. Verlässt man die Gemarkung durch das Seemental so kommt man nach Nieder- und Mittel-Seemen. folgt man der Alten Handelstraße über den Kernberg hinweg so kommt an dem Dörfchen Schönhausen vorbei durch das ehemalige Wernings nach Wenings. Westlich liegt Gedern. In der ersten Siedlungsperiode entstanden vereinzelte Höfchen die sich später zum Dorf zusammenschlossen, wie man heute noch aus vielen Flurnamen mit den Endungen „höfchen“ erkennen kann. Der Name Ober-Seemen geht höchstwahrscheinlich auf den Namen Seemenaha zurück. Das Wort aha bedeutet soviel wie Wasser und Symme ist gleichbedeutend wie Binse, die früher am Bach gestanden haben sollen. So ist Seemenaha gleichbedeutend wie Binsenbach oder Seemenbach. Die Endung aha oder affa läßt wie oben vermutet auf die erste Siedlungsperiode vor 400 n. Chr. schließen. Die Kirche von Ober-Seemen entstand aus einer Kapelle des 13./14 Jahrhundert. Um diese Zeit 1320 wird Ober-Seemen auch urkundlich erwähnt. Im 14.Jahrhundert war Ober-Seemen Filiale von Gedern. Ober-Seemen gehörte bis zum Austerben der Linie zu den Herrn von Eppstein, dann zu den Grafen Stolberg, fiel dann der Linie Stolberg-Roßla zu und kam 1806 in Hessische Oberhoheit. Im Jahr 1565 wird das Gericht Ober-Seemen erwähnt. Um 1535 wird Ober-Seemen mit Gedern lutherisch. Im 30-jährigen Krieg kam Ober-Seemen mit nur 32% Bevölkerungsverlust noch glimpflich davon. 1748 zerstört ein Großfeuer viele Häuser an der jetzigen Hauptstraße. Im Jahr 1752 wird von der Schule berichtet, die schon nach dem 30-jährigen Krieg bestanden haben muß. 1764 zerstörte ein Hagelsturm die komplette Ernte und blies den Kirchturm von der Kirche. 1797 bekam Ober-Seemen Marktrechte und durfte somit 4 Märkte im Jahr abhalten. Vom Sommer 1857 bis Sommer 1858 regnete es kaum, sodas viele Quellen versiegten und es an Trinkwasser mangelte. 1865 wurde durch die israelitische Gemeinde, welche damals um die 18% der Bevölkerung ausmachte, ein Synagoge errichtet. Im Jahr 1895 wird in Ober-Seemen die Postelle mit Telefonie errichtet. 1905 erreichte das Eisenbahnnetz Ober-Seemen. 1925 wurde das erste Auto gefahren. Das erste Radio gab es 1921. Seit 1912 wurde Ober-Seemen mit Strom versorgt und 1904 wurde die Wasserversorgung durch Rohrleitungen eingeführt. Seit 1971 gehört Ober-Seemen zusammen mit Mittel-, Nieder-Seemen, Wenings, Gedern und Steinberg zur Großgemeinde Gedern. In Ober-Seemen haben sich seit dem 19.Jahrhunder viele Vereine gebildet und prägen somit das kulturelle geschehen in der Region. So gibt es in Ober-Seemen 2 Gesangvereine, den Männergesangverein Liederlust 1840, die Sängerabteilung der KSG, den Sportverein KSG, einen Landfrauenverein, außerdem einem Obst und Gartenbauverein, einen Angelsportverein, natürlich eine Freiwillige Feuerwehr.