80 Jahre Stadtwappen Gedern
Text und Fotos von Harald WarnatIm Jubiläumsjahr 2006 feiert das Stadtwappen seinen 80.-igsten Geburtstag.
Jedem von uns sind die beiden roten Forellen bekannt, aber woher kommen sie?
Welche Geschichte steckt dahinter?
In unserem Heimatbuch >Geriwarda< steht geschrieben, dass man bereits 1925/26 vergebens nach einem alten Wappen des Ortes suchte. In dem wissenschaftlichen Schrifttum fand sich keinerlei Angabe über ein Gederner Wappen. Das 1885 erschienene grundlegende Wappenbuch von Siebmacher behauptete, dass Gedern kein Wappen habe.Daraufhin beantragte die Gederner Gemeindeverwaltung beim Ministerium des Innern in Darmstadt die Verleihung eines Wappens. Am 21. August 1926 schlug der Minister die jetzige Form des Gederner Wappens mit folgender Begründung vor:
Stolberg (Anmerkung: für Wernigerode), Trimberg und Hessen hätten die Farben rot – weiß gehabt. Darum sollte das Wappen aus einem Rot–Silber geteilten Schild bestehen mit zwei nach außen gekrümmten Forellen.
10 Tage später, am 31. August 1926 genehmigte der Gemeinderat Gedern diesen Vorschlag.
Zur Geschichte:
Das Wappen wurde für Gedern nicht neu erfunden oder entwickelt, sondern es geht zurück auf die Grafen von Wernigerode/Harz.Dieses Grafengeschlecht gehörte zu den ältesten von Sachsen. Bereits 1121 wird von einem Graf von Wernigerode berichtet. Mit dem Tode des kinderlosen Grafen Heinrich von Wernigerode am 3. Juni 1429 erlosch dieses alte Harz-Grafengeschlecht. Haus und Stadt gingen infolge einer Art Erbverbrüderung zwischen beiden Häusern in den Besitz der Grafen zu Stolberg über. Bereits im Jahre 1417 ließ sich Graf Botho zu Stolberg im Beisein des Grafen Heinrich von Wernigerode und seines Bruders Albrecht, seit 1411 Bischof von Halberstadt, huldigen. Ein für das Geschlecht der alten Harzgrafen zu Stolberg hochwichtiges Ereignis.
Heinrich von Wernigerode wurde in der Sylvestri-Kirche beigesetzt. Sein Wappen mit den „zwey rothe mit den Köpfen und Schwäntzen einander zugekehrte Forellen“ wurde über dem offenen Grab zerbrochen und dem letzten Grafen von Wernigerode mit ins Grab gegeben.
Bereits im August 1429 führte Botho als nunmehr alleiniger Erbe den Titel „Graf und Herr zu Stolberg und Wernigerode“. Das Stolberger Wappen mit dem schwarzen Hirsch im goldenen Feld und das Forellenpaar werden in einem Wappen vereinigt.
Fast 500 Jahre später wurde es zu unserem Stadtwappen.
Erklärung:
Gespaltenes Wappen von Rot und Silber.Nach heraldischen Regeln sollten Wappen in der Farbgebung einfach gehalten sein. Somit wird ein eng begrenztes Sortiment an Farben verwendet. Diese sind Rot, Blau, Schwarz und Grün. Die Farben stellen sich wie folgt dar:
Rot: senkrechte Linien
Blau: waagrechte Linien
Schwarz: gegittert oder ganz schwarz
Grün: Diagonale Linien
Metalle werden wie folgt dargestellt:
Gelb: = Gold
Weiß: = Silber
Die heraldische Farbregel besagt: in einem Wappen dürfen Metalle nicht an Metalle grenzen, Farben nicht an Farben. Somit ist schon einmal die Farbzusammensetzung zu verstehen.
Tierdarstellungen werden als Wappentiere bezeichnet. Sie symbolisieren eine Eigenschaft, die der Wappennutzer hat oder ausstrahlen möchte. Dieses kann zurück zu führen sein, dass diese in der Region als heilig angesehen wurden oder oft vorkommende Landestiere sind.
In diesem Fall wird davon ausgegangen, dass die Forellen für den Fischreichtum stehen.
Die weiß- bzw. silbernen Spalten stehen für Silber, welches in großen Mengen im Harz vorkommt. Gerade die Stolberger verdanken ihren Reichtum ihren Silberbergwerken.
Die Münzen der Stolberger spiegeln dieses in der Randbeschriftung wider:
„Gott segne und erhalte unsere Bergwercke“.
Der Hirsch ist das Wappentier des Hauses Stolberg.
Spurensuche:
Heute finden wir über dem Haupteingang des Gederner Schlosses das Allianzwappen des Fürsten zu Stolberg-Wernigerode (*1693 +1767) und seiner Gemahlin Luise (*1705 +1766), Gräfin zu Nassau-Saarbrück (rechts).Im Wappen des Hauses Stolberg (links) befinden sich auch die Forellen (siehe Pfeil) für die Herrschaft Wernigerode.
Eine Sammelmarke von der Bremer Kaffee HAG gilt als das bisher älteste bekannte Bild unseres Stadtwappens. Zwischen 1913 und 1938 wurden nahezu 1.400 Marken mit Darstellungen von Stadt- und Gemeindewappen veröffentlicht. Gezeichnet wurden diese von Otto Hupp, der auch als Verfasser grundlegender Werke der Heraldik (Wappenkunde) bekannt wurde.
Die Marken zeigen auf der Vorderseite das Wappen sowie den Name des Ortes und seine politische Einbindung (Regierungsbezirk, Provinz und Staat). Auf der Rückseite wird der Ortsname wiederholt sowie das Wappen beschrieben.
Es gibt von diesen Wappenmarken 2 verschiedene Ausgaben, die sich dadurch unterscheiden, dass bei der Angabe der Einwohner des entsprechenden Ortes unterschiedliche Jahreszahlen herangezogen wurden.
Die Erstausgabe, herausgegeben zwischen 1913 und 1918, benennt den Einwohnerstand von 1910. Die spätere Zweitauflage von 1930 bezieht sich auf den Einwohnerstand von 1925. Bei der letzteren erschien dann unter der Nr. 10 auch das Wappen der Stadt Gedern.
Heute ziert das Wappen städtische Formulare, Stadt-prospekte, Urkunden und vieles mehr.
Auch schmückt sie die Ehrenmedaille der Stadt Gedern, die nur an wenige besonders geehrte Bürger vergeben wurde.
Quellenangabe:
„Geriwarda“ von Heinrich Thomee, 1956.„Schwarzer Hirsch im Goldnen Feld“ von Konrad Breitenborn, 1990.
„Wappendarstellungen“ von Claudia Janke, ohne Jahresangabe.
„Wikipedia“ - Heraldik
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