Geschichte des Stadtteils Steinberg
Die Entstehung des Dorfes Steinberg
aus „Auf dem Steinberg“Steinberg, eines der jüngsten Dörfer im Vogelsberg, verdankt seine Entstehung und seinen Namen dem Eisenerz. Hier wurde der “Stein”, der Eisenstein, das Eisenerz gefunden.
Das über den ganzen Vogelsberg verbreitete Vorkommen von Eisenerz hat dazu geführt, daß an vielen Orten schon in frühgeschichtlicher Zeit kleine Verhüttungsbetriebe, sogenannte “Waldschmieden”, entstanden sind.Das oft zutage liegende Brauneisenerz wurde mit Hilfe von Holzkohle im Rennofen niedergeschmolzen. Das Ergebnis dieser Rennarbeit war ein teigiger Klumpen schmiedbaren Eisens, das aber noch viele Verunreinigungen enthielt, die durch Hämmern ausgeschieden wurden. Das so gewonnene Eisen diente zur Herstellung vieler Geräte, wie Pflugscharen, Radreifen, Hacken, Schaufeln u.a.
Als man begann die Wasserkräfte der Gebirgsbäche zum Antrieb der Blasebälge und der Pochhämmer zu nutzen, wurde die Waldschmiede seßhaft, und die Anlagen wurden vergrößert. Auch wurde das Eisenerz intensiver genutzt. Bergleute begannen danach zu graben. Urkundlich erwähnt - für unseren näheren Bereich - finden wir bereits im Jahre 1375 eine Waldschmiede zu Hirzenhain. Zur gleichen Zeit existierte eine weitere Hütte in Nieder-Niddern, und nachweislich bestanden auch solche bei Sichenhausen und Gedern.
Der Standort der Nieder-Nidderner Hütte ist auf dem rechten Nidderufer, an der heutigen Gemarkung von Steinberg zu suchen, durch die Flurbezeichnung “in den Sinnerwiesen” und “auf den Sinneräckern” näher gekennzeichnet. Sinner oder Sinter war die Bezeichnung für die bei der Eisenverhüttung anfallende Schlacke.
Zu Beginn des Bauernkrieges waren die Hütten zu Hirzenhain und Nieder-Niddern im Besitz des Klosters Hirzenhain. Das Dorf oder der Weiler Nieder-Niddern war zu dieser Zeit bereits eine Wüstung. Vermutlich hatten es die Bewohner wegen der häufig auftretenden Überschwemmungen aufgegeben, und wahrscheinlich haben sich einige der früheren Bewohner auf dem Steinberg niedergelassen.
Als der Bauernkrieg ausbrach, verließen die Augustinermönche fluchtartig das Kloster. Die beiden Eisenhütten sind infolge der Wirren des Bauernkrieges und der Mißwirtschaft des Klosters zum Erliegen gekommen.
Nach vielen Schwierigkeiten konnte endlich die Hütte zu Hirzenhain durch den Grafen Ludwig von Stolberg Königstein im Jahre 1555 neu eröffnet werden.
Die Neueröffnung der Eisenhütte zu Hirzenhain erforderte eine Erweiterung der Erzgewinnung. Aus diesem Grunde holten die Grafen zu Stolberg zünftige Bergleute aus ihren anderen Besitzungen, beispielsweise aus dem Harz, und siedelten sie hier an.
Als besonders günstig für die Ansiedlung, dieser Bergleute bot sich der Steinberg an, da hier und in der nächsten Umgebung reichlich Erzvorkommen angetroffen wurden.
Baugrund und Bauholz erhielten die Siedler umsonst. Es entstanden die sogenannten Bergmannshäuschen in der Kirchhofsecke in Steinberg.
Die Zeit der Entstehung des eigentlichen Dorfes Steinberg kann man etwa mit der Neueröffnung der Hirzenhainer Hütte gleichsetzen, d.h. nicht vor dem Jahre 1555. Der Name Steinberg wurde für das Dorf übernommen. Eigenartigerweise sagt man in der ganzen Umgebung von Steinberg heute noch, wir gehen auf den Steinberg und nicht nach Steinberg.
Der erste authentische Bericht über das Dorf Steinberg datiert aus dem Jahre 1602. Aus einer Bestandsaufnahme des Stolberger Besitzes aus diesem Jahr geht hervor, daß Steinberg eine Bevölkerung von 11 Familien hatte und zwar waren dies drei “Ackersleute” und acht “Einleuftige”; die letzteren waren Familien ohne eigenes Gespann. Aus dieser Anmerkung kann man die Folgerung ziehen, daß die Ackersleute schon länger hier ansäßig waren und man die Bergleute in ihrer Nähe ansiedelte, da sie ja keinen eigenen Grund und Boden besaßen um sich darauf ernähren zu können. Man kann die acht “Einleuftigen” zum Großteil zu den Bergleuten rechnen. Allerdings wer die Ackersleute und wer die Bergleute waren geht aus der Aufstellung nicht hervor.
Die Namen der 11 Hausväter waren: Velten Bergk, Heinrich Bergkheimer, Kaspar Jhan, Velten Lemp, Peter Ruprecht, Simon Wörner, Baltes Ruprecht, Velten Ruprecht, Oswald Rasmann, Bastian Bender, Hans Eichmann Von diesen Namen ist heute kein einziger mehr in Steinberg bekannt.
Die Spuren der Tätigkeit der Bergleute und Köhler sind heute noch an vielen Stellen zu erkennen. So die “Pingen” in der Nähe des Spießweihers. Das sind eingefallene oder zugeschüttete Schächte der Bergleute. Ebenso die kreisrunden Kohlplätze im Mühlwald, die man oberhalb Steinbergs noch deutlich zu erkennen vermag, wo ehemals die Köhler ihre Meiler errichtet hatten.
Weitere Kenntnisse ergeben sich erst wieder aus einem, aus den Jahren 1790-1810 stammenden Grundbuch, in dem alle Hauseigentümer und Grundstücksbesitzer eingetragen sind.
Nach diesen Aufzeichnungen gab es im Jahre 1800 etwa 40 Häuser. Der alte Ortskern umfaßte einen Teil des Alten Wegs, der Glashütterstraße, des Gederner Wegs und der Kirchhofsecke. Merkenfritzerstraße und Hirzenhainerstraße waren noch völlig unbebaut. Die Weiherstraße bestand überhaupt noch nicht. Die Hirzenhainerstraße war ein Feldweg, der Hirzenhainer Weg war auf der anderen Seite des Bach entlang dem Michels Rain. Etwa auf dem Grundstück von Walter Jung und Lother Langlitz lag das “Weiherchen”. Hinter dem Parkplatz von Ferdi Wolf war der alte Friedhof. Der älteste Friedhof war bei der alten Schule in der Kirchhofsecke, hinter dem Haus von Peter Fay.
Auch die Angaben über Berufe sind aufschlußreich. Es ist daraus zu ersehen dass es neben den Ackersleuten zu damaliger Zeit noch eine ganze Reihe von Bergleuten und Köhlern gab. Auch Schmiede sind mehrere genannt, allerdings waren dies meist Nagelschmiede, die aus Hirzenhainer Eisen im Handbetrieb Nägel schmiedeten. Die wahrscheinlich einzige Schmiede im heutigen Sinn war auf dem Anwesen Meuer; diesen Schmied nannte man auch den “Schaufelschmied”, da er eine besondere Art von Grabschaufeln herstellte.
Aus diesem Grundbuch geht weiter hervor, daß die Gemarkung in zahlreiche kleine Parzellen zerfiel. Besonders bei den Gärten sind die Stücke oft nicht größer als 3 - 4 Ruthen, das sind 60 - 80 m². Auch die Äcker und Wiesen sind oft nicht größer als 600 - 800 m². Einzelne Grundbesitzer hatten weit über 100 verschiedene Parzellen.
Eine Steinberger Exklave bestand zwischen den Gemarkungen Usenborn, Gelnhaar und Wenings. Sie wurde 1832 der Gemarkung Usenborn einverleibt. Es waren meist Wiesen, die in den Besitz der Isenburger übergingen.
In diesem Grundbuch waren auch die Gefälle, d.h. die Belastungen eingetragen. Sie betrugen zu dieser Zeit für jedes Haus zwei Rauchhühner oder 24 kr, an die Standesherrschaft zu zahlen. Pro Haus wurde der Pfarrgulden berechnet. Er wurde an das Kirchspiel Hirzenhain abgeführt und diente als Pfarrbesoldung. An die Gräfliche Rentkammer zu Ortenberg waren 2 fl (Gulden) Frongeld zu entrichten.
In der Folgezeit geht die Entwicklung Steinbergs nur langsam vorwärts. Im Jahre 1835 gab es 45 Häuser mit 275 Einwohnern. Sieben Jahre später, 1842, waren es 56 Häuser mit 310 Bewohnern. Erst 50 Jahre danach in 1890 zählte man 60 Häuser mit 329 Einwohnern.
In den Jahren zwischen 1830 und 1850 wurde die Armut in den Vogelsbergdörfern immer größer. Missernten und Steuerlasten führten dazu, daß immer mehr Menschen ihre Heimat verließen und nach Amerika auswanderten. Ganze Dörfer, wie Wernings bei Wenings oder Pferdsbach bei Büdingen, lösten sich auf, und ihre Einwohner gingen geschlossen in die Neue Welt. Auch aus Steinberg verließen zwischen den Jahren 1840 - 1870 etwa 70 Personen ihre Heimat. In Glashütten und Hirzenhain waren die Zahlen ähnlich hoch.
Erst um die Jahrhundertwende besserten sich die Verhältnisse etwas durch die Befreiung von den herrschaftlichen Lasten und die Einführung der Selbstverwaltung der Gemeinden.
Die Weidenkirche in Steinberg
Es war im Jahr 2002. Da trat der Naturkünstler und Luftgaukler Thomas Hofmann aus Burkhards im hohen Vogelsberg an die Kirchengemeinde Hirzenhain - Steinberg heran, mit der Idee, eine Weidenkirche zu bauen und ob da nicht irgendwo ein Grundstück wäre, auf dem er so seine Vorstellungen verwirklichen könnte.
Die Gemeinde Steinberg besaß so ein Grundstück, ganz nahe am Ort, mit Obstbäumen bepflanzt. Weil es eine Hanglage war, benutzten die Steinberger Kinder den mittleren Teil des Grundstücks in den vergangenen Jahren als Schlittenbahn. Doch der Schnee bleibt ja nun aus oder taut gleich wieder weg. Die Kinder spielen ja auch, weil es die Zeit so mit sich bringt, lieber am Computer oder sitzen vor dem Fernseher. Also wird die Schlittenbahn gar nicht so sehr vermisst. Da die Steinberger Bürger schon immer von einer kleinen Kirche sprachen, gab der Kirchenvorstand das Einverständnis zu diesem Pflanzvorhaben.
Am 15. Februar 2003, es war noch sehr kalt, zog die erste große Helferschar mit Motorsägen und Astscheren an die Nidda, mit der Flurbezeichnung „im Orbes“, das liegt zwischen Nidda und Dauernheim. Dort wurden die Kopfweiden geschnitten. Sie waren bis zu 7 m lang. Wir stellten sie in Wasser, damit sie nicht austrockneten, ja sogar schon Wurzeln bilden konnten. Eine Planierraupe ebnete den mittleren Teil des Grundstücks ein und die Steine, die dabei zum Vorschein kamen, wurden zur Stabilisierung des Hanges verwendet und bilden nun einen wunderschönen Steingarten. Der obere Hang der Weidenkirche wurde mit Basaltfindlingen aus dem Burkhardser Feld und aus Sandsteinen aus dem Salinenhof in Büdingen befestigt.
Mit großen Erdbohrern wurden 70 cm tiefe Löcher gebohrt, in die die Kopfweiden eingepflanzt wurden. Das war am 22. März 2003. Dann begann der Künstler mit dem Flechten und Verbinden der Weiden und gestaltete so die Form einer Kirche. Er errichtete einen Altar und ein Taufbecken aus Naturgestein und er pflasterte einen Kelch, der als Mittelgang hin zum Altar führt. In diesen Kelch hat er aus roten und weißen Steinen ein Kreuz und zwei Fische gestaltet. Ein Steinmetz aus Neu-Isenburg gab Anweisungen wie man die roten Sandsteine mit Hammer und Meisel bearbeiten und alle möglichen Figuren in diese Steine zaubern konnte. Die Bänke wurden vom hiesigen Sägewerk hergestellt. Es können bis zu 100 Besucher in dieser Weidenkirche sitzen. Durch den langen trockenen Sommer 2003 waren wir gezwungen eine Gießkolonne aufzustellen, denn die Weiden, wenn sie wachsen sollen, brauchen ja viel Wasser. Wir haben jeden Abend gegossen, etwa 45 cbm Wasser und alle Weiden trieben aus. Auch ein Kreuz und eine Sonne hat man aus Weiden gestaltet und in die Kuppel gehängt. Das sieht sehr schön aus. Geschmückt haben wir unsere Weidenkirche mit allen möglichen Blumen. Jeder, der eine Kostbarkeit in seinem Garten hatte, brachte einen Ableger und pflanzte ihn. Die großen Sonnenblumen und die kleinen Hornveilchen, sie blühten und verschönerten unsere Weidenkirche bis der Winter kam.
Am 29. Mai 2003, an Christi Himmelfahrt, feierten wir unseren ersten Gottesdienst in unserer Weidenkirche. Das war ein Tag voller Sonnenschein und Freude, der den Steinberger Bürgern sowie auch allen Gästen und Freunden, die diesen Tag mit uns erlebten, in steter Erinnerung bleiben wird. Möge der liebe Gott seinen Segen dazu geben und diese Stätte recht lange erhalten und bewahren.


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